Fitness-Boxen Inklusionsprojekt an der Schule an der Wupper

Seit sieben Jahren betreiben die Schüler an der Wupper-Schule in der Turnhalle Fitness-Boxen. Seit Beginn des Schuljahres trainieren sie gemeinsam mit Schülern der Katholischen Hauptschule Im Hederichsfeld.

Unter der Leitung von Trainer Bernd Müller vom Verein Boxsport Opladen ist dieses Inklusionsprojekt nicht nur Übung zum Muskelaufbau sowie Lernen von Schlag- und Verteidigungstechniken. Vielmehr steht der respektvolle Umgang mit den Mitmenschen im Vordergrund. Dabei sollen die Schüler der Förderschule durch den Sport und die Zusammenarbeit mit der Hauptschule vor allen Dingen Konzentration lernen, so Lehrer Frank Moog.

Trainer Bernd Müller: „Alle Übungen sind wie bei den professionellen Boxern“. Der Verein Boxsport Opladen ist übrigens „heimatlos“ und sucht dringend eine Trainingsstätte in Leverkusen. Bisher konnte der Stadtsportbund keine Lösung anbieten.

Dass dieses Training für die Schüler überhaupt in diesem Rahmen stattfinden kann, ist einer Spende der Sparda-Bank in Leverkusen zu verdanken. Filialleiterin Christina Spermann übergab einen symbolischen Spendenscheck über 1.500 Euro für die Durchführung des Inklusionsprojektes Fitnessboxen an die Schulleiterin Anja von Hebel.

Inklusionsprojekt: Boxen für Respekt und Selbstbewusstsein

Von Tobias Brücker

 

Das Boxen, da ist sich Trainer Bernd Müller ganz sicher, erfordert Muskeln, und zwar vom Ohrläppchen bis in die Waden. Vor allem aber fördert der Boxsport den Repekt – den Respekt vor sich selbst und vor dem Gegenüber. Und weil dem so ist, trainieren die Schüler der Rat-Deycks-Schule (RDS) seit gut sieben Jahren in der Turnhalle. Zum ersten Mal sind viele Teilnehmer von der Hauptschule im Hederichsfeld.

Das Inklusionsprojekt ist bei den Schülern sehr beliebt. Konzentriert sind sie bei der Sache. Eben diese Konzentration sollen die Schüler der Opladener Förderschule durch den Sport und die Zusammenarbeit mit der Hauptschule lernen. An der Rat-Deycks-Schule lernen Kinder und Jugendliche, von denen ein Großteil Schwierigkeiten damit hat sich zu fokussieren, sich anzupassen und Regeln einzuhalten.

Durch das Training mit den Schülern der Hauptschule entstehen Synergien zwischen den Jugendlichen. RDS-Lehrer Frank Moog beschreibt, wie seine Schüler profitieren: „Sie sehen, dass ihre Gegenüber an ihre Grenzen gehen – daraus entsteht Motivation.“ Gleichzeitig erhielten die Schüler der Gastschule aus dem Hederichsfeld durch ihre Vorbildfunktion zusätzlich Selbstbewusstsein.

Schulleiterin Anja von Hebel führte aus, ihre Schülerschaft lerne beim Boxen einen respektablen Umgang miteinander, Disziplin, motorische Koordination, während der Partnerübungen ein Gefühl für Nähe und Distanz sowie Empathie füreinander. Schließlich muss sich die heterogene Gruppe immer wieder neu aufeinander einstellen.

 

Seit Beginn des Schuljahrs trainiert die Gruppe mit rund 20 Schülern miteinander. Einmal in der Woche treffen sie sich schulverpflichtend. Zwei Boxtrainer und zwei Lehrer sind dann immer mit am Start. Dabei geht es um Fitnessboxen ohne echten Körperkontakt. Dennoch betonte Trainer Bernd Müller: „Wir machen die gleichen Übungen, wie sie auch professionelle Boxer absolvieren.“

Der 66-Jährige ist Trainer bei Boxsport Opladen, begleitet die Übungen mit vollem Körpereinsatz. Das Problem seines Vereins sei die fehlende Trainingsstätte. Deshalb nutzen die Mitglieder häufig die Turnhalle der Schule. Der Stadtsportbund, erklärte er, habe so viele Anfragen, auf dieser Liste stünden die Opladener ganz weit unten.

Neben vielen Jungs haben sich auch „eine Hand voll“ Mädchen für den Sport entschieden. Sivan ist 16, mit viel Eifer dabei und hat die typischen Bewegungen eines Boxers bereits ganz gut verinnerlicht. Sie erzählt, es mache ihr Spaß – auch, weil sie sich im Alltag verteidigen könne, wenn es einmal darauf ankommen sollte. „Man weiß ja nicht, was morgen ist“, sagte sie.

Beitrag von RP-Online

 

 

 

Sparda-Bank in Leverkusen fördert die Schule an der Wupper mit 1.500 Euro

 

Die Sparda-Bank unterstützt die Schule an der Wupper mit 1.500 Euro. Christina Spermann, Filialleiterin der Sparda-Bank in Leverkusen, überreichte heute den symbolischen Spendenscheck gemeinsam mit Marc Adomat, Dezernent für Schulen, Kultur, Jugend und Sport der Stadt Leverkusen, an Schulleiterin Anja von Hebel und die Vorsitzende des Fördervereins der Schule, Sabine De La Rosa Martinez. Verwendet wird die Spende für die Durchführung des Inklusionsprojekts Fitness-Boxen.

Bei dem Projekt trainieren Schüler der Schule an der Wupper im Rahmen des Wahlpflichtfaches gemeinsam mit Schülern der Katholischen Hauptschule Im Hederichsfeld unter Leitung der Trainer des Vereins Boxsport Opladen. Zum Fitness-Boxen gehören sowohl Übungen zum Muskelaufbau sowie Schlag- und Verteidigungstechniken. Neben den körperlichen Komponenten steht der respektvolle Umgang mit den Mitmenschen im Vordergrund. Die Schüler übernehmen dort Verantwortung für andere.

Schulkooperation

Schule an der Wupper

Haus Vorster Strasse

51379 Leverkusen – Opladen

 

KHS Im Hederichsfeld Katholische Hauptschule

Im Hederichsfeld 19

51379 Leverkusen – Opladen

 

„Lev liest und boxt“ – erst hauen, dann zuhören

 

 

Wohl jeder kennt die Boxer Vitali und Wladimir Klitschko. Dass sie Bücher schreiben, ist eher unbekannt. In ihrer Biografie „Unter Brüdern“ heißt es unter anderem: „Boxen ist Hexenkessel, Kolosseum und Circus Maximus, ist archaische Konfrontation, ist Lustgewinn durch Schmerzgewinn“. Der einzige Gewinn, um den es aber beim so genannten „Fitnessboxen“ geht, ist die Steigerung der Leistungsfähigkeit.

„Kondition und Disziplin stehen an erster Stelle“, beschreibt Bernd Müller (62), Inhaber der Trainer C-Lizenz des Deutschen Olympischen Sportbundes, Vorsitzender und Gründungsmitglied des Vereins Boxsport Opladen. Seit 2013 bietet er die Disziplin als Wahlpflichtfach für Mittel- und Oberstufe der Rat-Deycks-Schule an. Dort lernen Schüler unter anderem den respektvollen Umgang mit ihren Partnern. Jeder Mensch trägt Aggressionen in sich. Müllers Schüler lernen, diese zu kontrollieren. Es gibt keinen Platz für Prügeleien. Der Erfolg gibt ihm Recht. Die Teilnehmer haben sich „von einer weinerlichen Chaosgruppe zu einer homogenen Sportgruppe entwickelt.“

Lehrer Frank Moog betreut die Gruppe. Nephtali (14) ist einer von zwölf Jugendlichen, der regelmäßig kommt. „Ich möchte gerne fitter werden“, begründet der Jugendliche und ergänzt: „Boxen ist aufregender als Ballsport. Es fordert meine ganze Konzentration und Disziplin.“ Beim Fitnessboxen gibt es gleiche Trainingsmethoden wie beim Amateur- und Profiboxen. Nur Sparring – ein Trainingskampf – wird durch so genannte Partnerübungen ersetzt. „Wichtig sind Treffer, nicht die Wirkung“, erläutert Müller. Das heißt: Man schlägt bewusst auf die Deckung, alle Handlungen unter Kämpfern sind abgesprochen. Einige Schüler gehen regelmäßig so weit an die Leistungsgrenze, dass ihre Muskeln vor Anstrengung zittern. „Nach zwei Stunden Training kommt keiner mehr auf dumme Ideen“, lacht Müller.

Auf kuriose Ideen kommen sie schon. Denn nun wollen sie Schlagkraft und Poesie mit „Lev liest“ verbinden. Durch „Lev liest und boxt“ solle deutlich werden, so Moog, dass boxen und lesen keine Gegensätze seien. Er fragt: Lesen Boxer oder boxen Leser?

Zur Demonstration wird in der Sporthalle Haus-Vorster-Straße ein provisorischer Ring aufgebaut, Zuschauer sitzen ringsum auf Bänken. Gezeigt werden Übungen wie Muskelaufbau sowie Schlag- und Verteidigungstechniken. In den Pausen, wenn Müller die Sportler in ihren Ringecken betreut und sie sich erholen, werden Passagen aus Büchern der Klitschko-Brüder gelesen. Als Ehrengast hat sich Yavus Ertürk angesagt, Weltmeister des Jahres 2012 im Weltergewicht.